Shoppingbag

Man nannte mich Chewbacca

Eine weiße Rüschenbluse. Ein flauschiger Kunstfellmantel im Leo-Look.
Ich verstehe, dass Geschmack etwas absolut Subjektives ist. Dass jeder einen anderen Stil hat. Oder auch gar keinen. Und dass es Leute gibt, die einen Leo-Mantel „super geil“ finden oder ihn eben für „unsagbar hässlich“ halten. Meine Kollegin Katrin geht da noch einen Schritt weiter. Als ich in eben jenem Kunstfellmantel vor ihr stand, meinte sie nur trocken: „Johanna, du siehst damit irgendwie aus wie eine Edelnutte.“
Und schon passierte es: Dieses wunderbar-flauschige Leo-Teilchen, das ich gerade noch so angehimmelt hatte, verschwand nun im entsprechenden Pappkarton auf dem Weg zurück ins Zara-Lager. Und so stand ich da: In der Hand der Retourenschein. Auf dem Gesicht die bittere Enttäuschung.

„Was fragst Du auch andere Leute nach ihrer Meinung?“ fragte meine Kollegin Sarah kurz darauf als ich ihr von der Misere erzählte. Und sie hatte damit natürlich so Recht. Selbstverständlich sollte ich mich an der Meinung anderer nicht so aufhängen. Ich sollte das tragen, was mir gefällt, was ich schön finde und worin ich mich gut fühle. Auch wenn es ein Kunstellmantel mit Leo-Muster ist.
Soweit die Theorie. Leider schaffe ich es noch immer nicht, diese in die Praxis umzusetzen. Eine Schande. Und so fristen schon zu viele wunderbar herrliche Kleidungsstücke ihr einsames Dasein im dunklen Kleiderschrank – einfach weil sie hier und da mit spitzen Kommentaren bedacht wurden. Der goldene Plisee-Rock in Midi-Länge, mit dem ich angeblich wie ein „wandelnder Weihnachtsbaum“ aussehe. Und ich wurde „Chewbacca“ genannt, als ich meine dunkelbraune, wuschelige Langfelljacke spazieren trug. Außerdem wurde ich regelmäßig zum Roboter „C-3Po“ (ziemlich Star-Wars-lastig, was mein Schrank so hergibt), sobald ich mir meine goldene XL-Statement-Kette mit ihren vielen übergroßen Metallplatten umhängte.

Warum nur lasse ich mich davon noch verunsichern? Und warum frage ich immer und immer wieder Menschen um modischen Rat, die nun einmal einen ganz anderen Geschmack haben, als ich selbst? Zudem ist ein Weihnachtsbaum ja gar nichts Negatives. Und auch Chewbacca ist, wenn ich mich nicht irre, ein echter Sympathieträger in den Star-Wars Episoden.
Da sollte ich doch vielleicht den ein oder anderen Witz einfach mal als Kompliment sehen? „Klar ist das manchmal etwas merkwürdig was du trägst, aber es steht Dir trotzdem gut!“ erklärte mir erst kürzlich ein Freund. Irgendwie ja schon ein Kompliment. Und es macht deutlich: Entweder, ich kann mit den Sprüchen umgehen und lasse mich dadurch nicht beirren – oder ich darf gar nicht erst um einen Kommentar zu meinen Outfits bitten. Für den Anfang versuche ich mich vielleicht mal an dem zweiten Vorschlag.
Weg mit der Kaufberatung. Alleine entscheiden ist angesagt.

Und so stöberte ich kurze Zeit später durch die Regale einer H&M-Filiale und blieb an einer weißen Bluse hängen. Elegant, leicht tailliert und voller großer Rüschen. Ich verliebte mich sofort. „Und? Wie ist die?“ fragte ich Katrin, die gerade neben mir hertrottete.
Autsch.
Warum lerne ich es nicht?
Ich biss mir auf die Unterlippe und drehte mich schnell wieder weg. Zu spät. Meine Shoppingbegleitung schüttelt sich etwas und meint dann: „Johanna. Die ist sooo hässlich!“
War klar. Doch dann atmete ich tief ein, schluckte meine Zweifel runter, setzte mein selbstbewusstestes Lächeln auf und antwortete: „Ich kauf die jetzt trotzdem.“

Und dann stehe ich am nächsten Morgen vor dem Spiegel.
Mit meinen schwarzen Sneakern. Mit der schwarzen Röhrenjeans. Und mit der weißen Rüschenbluse.
Und Fragen wie „Doch zu viele Rüschen?“ und „War es vielleicht ein Fehlkauf?“ oder „Seh ich damit jetzt blöd aus?“ drängen sich auf.
„Mach doch einfach, wozu Du Lust hast, Johanna!“ sagt mein Kollege David immer. Und das versuche ich nun.
Ich stolziere in die Küche und trete vor Katrin.
Selbstbewusst und stolz. Und voller Rüschen.
„Ich find‘ die Bluse super“, sage ich bestimmt.
„Hmmm“ beginnt Katrin. „Naja. Jetzt wo ich’s nochmal sehe: Sooo hässlich ist s gar nicht!“
Und ich freue mich. Wegen dieses kleinen Sieges, den ich soeben errungen habe.
Über Katrin.
Und über mich selbst.
Und ein bisschen auch über eine Tatsache:
Diesmal sehe ich offenbar nicht aus wie eine Edelnutte, wie C-3PO, wie Chewbacca oder ein Weihnachtsbaum.
Diesmal bin ich einfach nur „gar nicht mal sooo hässlich.“
Und für den Anfang muss das reichen.

 


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Malmö

Und dann ist da noch…Malmö

Malmö. Eine Stadt, die ich auf meiner kleinen Reise durch Skandinavien unbedingt sehen musste. Warum? Eigentlich nur, wegen dem süßen Namen. Und weil die kleine Stadt in Schweden so wunderbar zu meiner ausgewählten Reiserute passte. Malmö ist klein und Malmö ist übersichtlich. Und wen es einmal hierhin verschlägt, der sollte sich unbedingt auch mal zu folgenden Orten begeben: Weiterlesen

Blumenkranz

No time, baby – Schlüssellos unterwegs Teil 1

Ein einziger Tag kann so viele Überraschungen für Dich bereithalten. Du kannst zum Beispiel ganz unerwartet einen Heiratsantrag bekommen (wenn Du Dich davor bereits in einer Beziehung befindest, erhöht das die Chancen enorm). Du kannst an einem Tag auch plötzlich im Lotto gewinnen (dazu dann am besten Lotto spielen). Die wirklich überraschenden Wendungen nimmt der Tag aber erst an, wenn Du Deinen Haustürschlüssel zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt zuhause liegen lässt. Ganz ehrlich. Habe es ausprobiert. Erst letzte Woche.
Herausgefunden, dass sich der Schlüssel nicht wie gewohnt in meiner Tasche sondern noch auf der heimischen Kommode befindet, habe ich es erst, als der Freitägliche Feierabend bereits kurz bevor stand. „Ein Glück habe ich noch zwei Mitbewohner mit Schlüssel und dem Hang, immer vor mir zuhause zu sein“ freute ich mich und hielt mich für einen riesigen Glückspilz. Das war kurz bevor mir mein Händchen für das besondere Timing wieder einfiel – und damit die Tatsache, dass der eine Mitbewohner ausgerechnet an diesem Wochenende bereits am Bodensee residierte. Auch Mitbewohner zwei war bereits lange im Feierabend und hopste glücklich und zufrieden in einem Zelt auf einer Bierbank auf dem Frühlingsfest umher. Weiterlesen

Picknick

Der Countdown läuft wieder!

Es ist ein Tag wie jeder andere. Für viele. Für mich nicht. Für mich ist mein Geburtstag der schönste Tag des ganzen Jahres. Auch Weihnachten und Ostern können nicht dagegen ankommen. Mein Geburtstag gehört nur mir alleine und an dem will ich einfach mal so richtig gefeiert werden, verdammt.

Am 7. Juni war es wieder soweit und für niemanden in meinem Umkreis kam dieses Ereignis überraschend. Zum einen, weil ich bereits einen Monat im Voraus nur noch Geburtstagsthemen auf den Tisch packe. Zum anderen, weil ich zeitnah (und nur zur Sicherheit) einen Geburtstags-Countdown erstelle, den ich jedes Jahr per Mail an einen ausgewählten Kreis sende. Einfach nur, damit ihn niemand vergisst: meinen Geburtstag.
Warum bist Du bitte so wild auf Deinen Geburtstag. Dabei bist Du doch schon so alt? fragt mich mein Mitbewohner Felix. Das “alt” habe ich einfach mal überhört. Die Thematik betrifft schließlich meinen Geburtstag. Aber trotzdem, eine wirkliche Antwort habe ich darauf nicht. Tatsächlich sind bisher einige meine Geburtstagsparty nicht so rosig abgelaufen, wie geplant.
Da erinnere ich mich zum Beispiel an das rosa Fahrrad mit weißem Korb und rosa Quietschklingel, das ich zum 7. Geburtstag um ca. 13 Uhr von Papa bekommen habe. Und ich erinnere mich an das gleiche rosa Fahrrad mit weißem Korb und rosa Quietschklingel, das ich um ca. 13:30 Uhr zu Schrott gefahren habe.
Oder es fällt mir mein Geburtstagskleid von Joop ein, das ich mit größter Fürsorge hegte und pflegte, bis ich mich an meinem 13. Geburtstag etwas zu sehr den schönen, hellen Geburtstagskerzen näherte. Chiffron-Kleider sind leicht entflammbar. Das weiß ich jetzt.
Oder es fällt mir die Klettertour ein, an dem die Hauptperson (ich natürlich) einen Stein auf den Kopf bekommen hat und nicht freudestrahlend, mit entsprechender Torte in der Hand, am Tisch –  sondern 4 Stunden mit Mama und Loch im Kopf in der Notaufnahme saß.
Nein, man kann nicht davon sprechen, dass meine Geburtstag bisher reibungslos abgelaufen sind. Trotzdem liebe ich jeden einzelnen.

Doch es ist nicht so, dass ich nur meine Geburtstage für etwas Besonderes halte. Genauso würdige ich auch andere. Dann oft sogar etwas mehr, als das Geburtstagskind selbst. So ziehe ich zum Geburtstag meines Mitbewohners Felix “Ichmachmirnixausgeburtstagen” Müller bereits um 5 Uhr morgens mein hübschestes Kleid an, blase alle Luftballons auf, verteile künstlerisch die Luftschlangen in der Küche, richte den Frühstückstisch, schreibe eine Geburtstagskarte, zünde die Kerzen an und schmeiße den zweiten Mitbewohner Tobi aus dem Bett (eindeutig die größte Herausforderung an diesem Morgen), um dem Geburtstagskind standesgemäß Happy Birthday und einen schönen Tag zu wünschen.
Ich freue mich.
Felix freut sich.
Tobi freut sich auch. Innerlich.
Find ich schön, dass Du auch andere Geburtstage so würdigst, meint Felix anerkennend.
Apropos Geburtstag!
Ich ziehe eine goldene Tiara und mein neues Leo-Kleid hervor. Denkt ihr das Outfit ist für meinen nächsten Geburtstag zu übertrieben?
Johanna, Du fängst jetzt nicht ernsthaft schon ein Jahr im voraus mit der Planung an?

Nein, natürlich nicht!

Die Handys meiner Mitbewohner piepsen.
Eine E-Mail:
“Dies ist ein automatischer Countdown. Nur noch 335 Tage bis zu Johannas Geburtstag!”

 


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ICH PACKE MEINEN KOFFER…

…und nehme mit: Völlige Ahnungslosigkeit! Vor Wochenendtrips überfällt mich nämlich jedesmal die absolute Panik. Mit was soll ich mein kleines, fliederfarbenes Köfferchen füllen? Und wie schafft man es, den Inhalt eines 81×180 cm großen Kleiderschrankes in einen 54 x 30 cm kleinen Reisekoffer zu quetschen? Das Einzige, was derzeit auf meiner Einpack-Liste steht: Eine Zahnbürste.
Wenn nur alles so einfach wäre!

Die große Problematik liegt hier eindeutig an meiner angeborenen Entscheidungsschwäche, wenn es um die Suche nach den richtigen Outfits geht. Diese allmorgendliche Suche kann mal nur 10 Minuten dauern. Zum Beispiel wenn einem das altbewährte Lieblingsoutfit ins Auge sticht und alle relevanten Stücke gewaschen und gebügelt bereitliegen. Man braucht nur noch hineinzuschlüpfen und fühlt sich pudelwohl. Leider kommt diese Situation bei mir in etwa so oft vor, wie Tage an denen ich gestehe, zu viele Kleider zu besitzen. Korrekt, dies passiert niemals! Und, selbst wenn das Lieblingsoutfit tatsächlich tragebereit im Schrank hängt, heißt es noch lange nicht, dass es auch wirklich an dem heutigen Tag tragbar ist. Entweder fehlt das wichtigste Accessoire(Wo hab’ ich die Kette noch gleich hingelegt?) oder die Stiefel sind derzeit untragbar (Ach ja, ich wollt ja noch zum Schuhmacher). Manchmal sieht man in dem bewährten Kleid auch einfach nur irgendwie 5 Kilo schwerer aus als gestern. Und hin und wieder hat man das Outfit auch einfach satt. Irgendwas ist immer. Oder irgendwas fehlt immer. Und lässt mich damit verzweifeln.

Dieses Drama spielt sich also morgens bei der Kleiderauswahl ab – und das, obwohl man nur ein Outfit für einen Tag planen muss. Nun kann man sich gut vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich für mehrere Tage, unterschiedliche Gelegenheiten, ungleichmäßige Wetterverhältnisse und wechselnde Gelegenheiten planen muss. Trotzdem schaffe ich es nach langer Umzieherei, ein Tagesoutfit auzuwählen: Leokleid, Goldschmuck, Jeanshemd, Wildlederstiefel, bronzefarbene Strumpfhosen und meine neue Satchelbag. Kaum aus der Wohnung, stelle ich leider fest, dass meine Strumpfhose so gar nicht zum Leokleid passt. Also drehe ich um, suche eine neue Strumpfhose, die jedoch leider so gar nicht mehr zu den Stiefeln passt. Deshalb schlüpfe ich direkt in meine Ballerinas, suche mir dementsprechend eine neue Tasche heraus und verlasse dann – endlich und in einem ganz anderen Outfit als noch vor einigen Minuten – das Haus.

Völlig k.o. von dieser sportlichen Höchstleistung, komme ich zu dem Schluss, dass ich es wohl nie schaffen werde, mich auf einen gelungenen Kofferinhalt festzulegen. Betrübt kaufe ich noch schnell das, was mir am leichtesten fällt: Eine Zahnbürste für den Trip. Sie ist Marineblau, mit Reisekappe und flexiblem Griff.  Na also, denke ich, hake gedanklich diesen einzigen Punkt auf meiner Liste ab und bin überrascht, wie schnell man manche Dinge doch erledigen kann. So einfach wie die Entscheidung für ‘ne Zahnbürste, kann das Kofferpacken doch weitergehen, jubiliere ich im Office voller Hoffnung und halte siegreich meine neue Zahnbürste in die Luft.

Oh, wie cool. Die hab ich auch. Nur in einem Fliederton, meint Helen.
Fliederton? Das würde ja schon irgendwie besser zu meinem Reisekoffer passen.
Mist.
Ob man die Zahnbürste noch umtauschen kann?

 


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HAI-FASHION

Das Leben spielt oft genug verrückt. Gerade in Sachen Mode.
Erst vor einigen Tagen saß ich beim Zahnarzt, zur leidlichen Kontrolluntersuchung, in der ich mich – wie so viele – regelmäßig versuche wegzuträumen. Gar nicht mal so leicht, wenn ich an der Decke mein Spiegelbild erkenne und dabei genau sehe, wie der Mensch mit Kittel in meinem Mund herumfuchtelt. Dabei ist mir direkt aufgefallen, dass mein Jeanshemd offensichtlich die besten Jahre hinter sich hat. Mitgenommen und ausgefranst sieht das ganze aus und ich bekomme direkt das Gefühl von Unordnung und dem Drang, mich umzuziehen.
Doch warum fühle ich mich bei der Entdeckung dieses unbeabsichtigten Löchleins plötzlich so schlecht, obwohl eine Kollegin erst vor kurzem mit einer komplett durchlöcherten Jeans ins Office kam? Destroyed ist wieder im kommen, bestätigt Sie die Vermutung von uns allen und wird damit zum Hingucker des Tages.
Es ist schon lustig, wie ein Fashion-Fauxpas manchmal nur einen wohlklingenden Namen braucht – um ihn der Umgebung als Stilrichtung verkaufen zu können. Was man dazu braucht? Einfach nur den nötigen Stolz und die passende Einstellung, damit das ganze auch glaubhaft rüberkommt. Und zur Sicherheit präsentiert man ihn einfach auf dem eigenen Modeblog.

Man hat gerade erst 4 Wochen auf diese absurd schmackhaften Kohlenhydrate verzichtet, das Fitnessstudio mehr als einmal im Jahr besucht und die Kleider sind deswegen plötzlich viel zu weit? Gar kein Problem, einfach mit Gürtel an den Körper schnüren und nebenbei erwähnen, wie trendy Oversized schon wieder ist. Alle Lieblingsoutfits, die sich in Ihrer Kombination bisher unglaublich gut bewährt haben, sind noch in der Wäsche und übrig bleibt nur die Karobluse zur Pünktchenhose? Spitze, Patternmix geht – gerade an sonnigen Tagen – doch immer.
Dann blättere ich ein Modemagazin durch und sehe Selma Blair, wie Sie mit einer ausgeleierten Jeans, abgewetzten Chucks und ziemlich unförmigen Pullover durch die Gegend läuft, Ihre Haare (eindeutig Bad-Hair-Day) unter einer weiten Mütze versteckt.
Die Arme. Bestimmt gestresst und kein bisschen Zeit sich zurecht zu machen – denke ich.
Die Grandiose. Lässig gestylt, im immer wiederkehrenden Boyfriendlook mit hipper Beany gelingt es Selma Blair auch hier wieder beim schlendern durch New Yorker Straßen Trends zu setzen – sagt mein Modemagazin.
Soso, während ich Miss Blair also bemitleide, bewundern Sie so viele andere in diesem Aufzug, in dem ich höchstens den Müll untertragen würde, als IT-Girl. Was da wohl noch so alles möglich ist?

Gerade als ich überlege, welche Fashionsünden sich noch so in meinem Schrank verstecken, die ich mit ein bisschen Kreativität und den passenden englischen Begriffen in neue Trends verwandeln könnte, unterbricht mich mein Zahnarzt: “Johanna, ist Dir bewusst, dass dir gerade hinter Deinem Schneidezahn ein weiterer Zusatzzahn wächst?” Nein, das war mir bisher nicht bewusst. Und tatsächlich entdecke ich mit halb verdrehtem Gesicht diesen kleinen, spitzen Neuankömmling, der schon etwas an einen Haifischzahn erinnert. Und nun? Raus damit? fragt mein Arzt. Niemals, rufe ich. Der bleibt erstmal drin. Das Praxisteam guckt mich verwundert an. Sicher, dass Du mit dem Look leben kannst? hakt die Arzthelferin nach. Wenn Selma Blair es mit dem “Boyfriendlook” schafft, macht mir so ein bisschen “Hai-Fashion” nichts aus, und ich zeige Ihr sofort mein überzeugendstes Lächeln.

Hai-Fashion? Die Arzthelferin guckt verwundert in die Runde.
Ich geb dem Trend noch wenige Wochen, dann hat er sich rumgesprochen.
Ganz bestimmt.
Und zur Sicherheit sollte ich vielleicht einen Modeblog dazu eröffnen.

 


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LEBENSPARTNER WIDER WILLEN

Jeder hat ihn doch irgendwo sitzen. Bei den meisten sitzt er irgendwo im hintersten Eck des Kleiderschranks, oft auch wird er in Kartons unterm Bett verstaut. Ober aber, er fristet sein elendes Dasein an die Rückwand der Kommode gequetscht. Wo auch immer Du ihn verwahrst: Der Fehlkauf ist bei Dir bestimmt auch Mitbewohner und Lebensbegleiter.

Mein Fehlkauf liegt, möglichst klein gefaltet, in der untersten Schicht meine Truhe – noch unter den Sportkleidern, die ich wirklich sehr, sehr selten zu Gesicht bekomme. Und unter den dicken Wollpullovern, bei denen ich die Nutzung noch verweigere.
Mein persönlicher Fehlkauf ist ein marineblauer Marken-Jumpsuit aus Denim, mit großen, goldenen Knöpfen.
Wirklich, im Katalog sah dieses gute Stück ganz wundervoll aus. Herzallerliebst hat er sich an das ungefähr zwei Meter große Model angepasst, er hat die überlangen Beine perfekt zur Geltung gebracht und den makellos schlanken Oberkörper wunderbar betont, ohne auch nur ein bisschen aufzutragen. Ich hingegen, mit meiner eher begrenzten Körpergröße, erwecke in diesem modischen Etwas den Anschein, als hätte ich mich in die Stadt verirrt und suche eigentlich zurück zu meiner Baustelle. Wirklich, es fehlt hier nur noch der Helm und schon wäre ich Bob der Baumeister 2.0. Dieses Auftreten ist alles andere als schmeichelhaft, das brauche ich wohl wirklich nicht zu betonen. Kaum laufe ich in diesem Einteiler auch nur einen Schritt, schlägt der unflexible Denimstoff extrem unvorteilhafte Falten und macht den Eindruck, als hätte ich mir die Runde an Donuts im Office eindeutig nicht verkniffen. Während sich das Jeansmaterial dann mehr und mehr nach oben schiebt, werden meine Oberschenkel von dem, nun fehlenden Stoff im unteren Bereich, so abgequetscht, dass mir schon ganz Angst und Bange wird und ich mir unweigerlich die Frage stelle: Ab wann wird die Unterbrechung der Blutzufuhr an die Beine eigentlich gefährlich? Mein Dekolleté, das Einzige, was in diesem Bauarbeiterstyle noch darauf hinweisen könnte, dass es sich bei mir um ein Mädchen handelt, wird in diesem Overall gänzlich abgedrückt und versteckt. Und zurück bleibt lediglich ein grauenvoller Anblick!

“Wow, du siehst aber heute toll aus”. Nein, so etwas hat man bestimmt noch nie gehört, wenn man einen Fehlkauf auf offener Straße getragen hat. Meist zurecht, denn so sind es doch oft die “Schnäppchen”, bei denen man – trotz falscher Größe, fehlender Brust, oder zu kurz geratener Körperlänge – zugreift. Dass mein Jumpsuit trotz diverser Sale-Aktionen (vielleicht hätte ich mich fragen sollen, warum er so stark reduziert war!) immer noch viel zu teuer war, um nun für immer im Dunkeln dahin zu vegetieren, versuche ich zwanghaft zu verdrängen. Sonst kommen mir nur wieder die Tränen.

Aber warum eigentlich? Jeder hat ihn doch irgendwo sitzen! Ein Fehlkauf gehört wohl nun mal zum Leben dazu. Man muss ihn gemacht haben, um daraus zu lernen. Und beim nächsten Einkauf macht man dann alles besser.

Apropos nächster Einkauf. Gerade hab’ ich im Onlineshop diesen tollen Bleistiftrock entdeckt, der schon an Karolina Kurková unglaublich bezaubernd aussah… und runtergesetzt ist er auch noch…

 


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