DRAMA, BABY!

…, denn nur eine kann Germanys next Topmodel werden. Vorbei sind die Zeiten, in denen mir dieser Hinweis aus dem Off noch Gänsehaut erzeugt hat. Zu Ende die Abende, an denen ich selbst zur Jurorin wurde, Laufstegakrobatik beurteilte und die Chancen auf dem aktuellen, internationalen Modelmarkt analytisch dargeleget habe.
Während Staffel 1 und 2 war ich als Zuschauer noch ganz vorne mit dabei und habe gehofft, gebangt und gegrübelt, wer nun Heidis Nachfolgerin wird. Doch bei der dritten Nachfolgerin (wie hieß sie doch gleich?) und der absolut inflationär gewordenen Off-Stimme … Nur eine kann Germanys next Topmodel werden. Und nur eine schafft es auf das Cover der Cosmopolitan, war der Spaß für mich vorbei. Ich frage mich ernsthaft: Haben die Macher der Show etwa vergessen, dass wir inzwischen ganze sieben Topmodels haben, die alle einmal vom Cover der Cosmopolitan grinsen durften? So einzigartig ist man also gar nicht mehr, wenn man zur Siegerin der Show gekührt wird. Ich denke, eine neue Standard-Ansage aus dem Off muss her: … denn nur 8 können Germanys next Topmodel werden. Und nur 8 schaffen es auf das Cover der Cosmopolitan. Vielleicht aber auch 11. Je nachdem, wieviele Staffeln wir machen.
Richtig, inzwischen sind wir bei Staffel 8 angelangt und nachdem doch alles irgendwie schon dagewesen ist, dreht es sich mehr denn je um Drama, Drama, Drama. Sie knutscht mit einem Male-Model, obwohl sie doch vergeben ist? Sie ist so extrem hübsch, ob sich da nicht doch ein Schönheitschirurg an dieser viel zu perfekten Nase ausprobiert hat?
Besonders erstaunlich finde ich, wie die Kamera ganz zufällig hinschaut, wenn sich die Mädels anschreien, herumfluchen und sich gegenseitig terrorisieren. Der Zufall will wohl, dass die Kamera immer jede dramatische Wendung einfängt. Mein Papa sagt, es gibt keine Zufälle. Recht hat er.

Diese extremen Zickereien sind selbst für mich inzwischen einfach zu viel geworden. Immer Lärm, immer Gekreische. Vielleicht sollte man sich von so viel Hysterie und Drama verabschieden und stattdessen einen gemütlichen Freundinnenabend abhalten. Einen ruhigen Abend voller tiefsinniger Gespräche und entspanntem Umstyling, statt zuzuhören, wie sich halbausgewachsene Teenies anschreien. Bei uns fängt niemand an, weinend im Kreis zu rennen, wenn man ihr an die Haare will. Meine Freundinnen sind direkt begeistert und statt mit dramatischen Geschichten, tauchen sie mit Rotwein, Gesichtsmasken und einer Ombre-Haarfärbepackung auf.
Nur eine kann Germanys next Topmodel werden. Pah! Von wegen! An einem solchen Donnerstagabend schaffen wir dies alle drei. Und zwar friedlich, harmonisch und total entspannt.

Plötzlich kippt die Flasche Rotwein über meinen cremefarbenen Teppich, als meine Freundin schockiert festgestellt hat, dass ich das Haarfärbemittel um 40 Minuten Einwirkzeit überschritten habe. Typisch Johanna, kreischt sie und versucht dabei hektisch die Farbe aus den, doch etwas zu hell gewordenen, Haarspitzen herauszuwaschen. Dabei sprenkelt sie sich die Farbreste genau auf ihre neuen Seidenshorts. Sie flippt aus. Ich versuche fluchend den Rotweinschaden zu beheben. Und – überrumpelt von der inzwischen weißlichen Haarpracht – bricht meine andere Freundin lautstark in Tränen aus.

Gut. Nächste Woche dann wieder Germanys Next Topmodel.
Dort kann nur eine Germanys next Topmodel werden.
Aber die kann man dann wenigstens auf „lautlos” stellen.

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/gomainstream/9841402036

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