DUFTPROBEN-DEBAKEL

Es kommt nur auf die innere Größe an! So sagt man.
Klar, dass ich mich, bei meiner sehr begrenzten Körpergröße von 1,59 m, auch genau an solchen Sprüchen orientiere. Leicht fällt es mir jedoch nicht, dieses Mantra kontinuierlich zu verinnerlichen. Beispielsweise, wenn ich es mal wieder gerade so und nur mit Hilfe meines Kinderhockers schaffe, mein Lieblingparfum aus dem Badezimmerregal zu angeln, immer vorbei an den ganzen, uralten Duftproben in Plastikfolie. Oder wenn ich beim Blick in den Badezimmerspiegel, den meine Mitbewohner angeblich auf “Standart-Höhe” platziert haben, nur mit Ach und Krach meine Augenbrauen erkenne. Und dann wundern sie sich, wenn mein Rouge recht willkürlich im Gesicht verteilt ist.
Erst vor einigen Tagen dann der endgültige Schock: Ich kann niemals Stewardess bei Air Berlin werden. Nicht, dass ich das wollte. Dennoch ein Schock. Ich bin 6 cm zu klein für den Job. Meine Kollegin zuckte nur die Schultern und meinte „Die teuersten Parfums sind in den kleinsten Flacons.“

Und ich glaube, da ist was Wahres dran. Erst vor kurzem stand ich knapp vor der Verschuldung, nur um diesen einen Dior-Duft im Mini-Flacon zu ergattern.
Hat es also etwas wertvolles, wenn man klein ist?
Ettliche Stars haben es immerhin auch im Kleinformat geschafft. Marilyn Monroe, Kylie Minogue und selbst Amy Adams wurde mit gerade einmal 1,63 m Körpergröße für einen Oscar nominiert. Also plane ich direkt ein Zusammentreffen mit meinen Freundinnen am 2. März, um die diesjährige Oscar-Nacht zu verfolgen. Wenn Amy Adams gewinnt, dann ist das quasi ein Sieg für alle kleinen Frauen. So sehe ich das zumindest und habe damit einen Grund mehr, die ganze Nacht vor dem Fernseher zu verbringen. Meine Freundinnen versammeln sich bei mir, Snacks werden bereitsgestellt und das beste Parfum wird aufgelegt (ja, wieder ein paar wertvolle Tröpfchen Dior gehen dahin). Und schon erblicke ich Amy Adams. In ihrem dunkelblauen Maxidress sieht sie unglaublich strahlend aus – und gar nicht mehr so klein.

Wahrscheinlich hat meine Kollegin mit ihrer Flacon-Theorie absolut recht. Auch meine Freundinnen sind davon begeistert und rätseln sofort, welches Parfum ich dann wohl sei. Ich sehe mich eindeutig als Chanel Nr. 5, während meine Freundin Laura mich eher unter “Duft aus der Drogerie” einordnet. Während ich ihr an die Gurgel gehe (langjährige Freundschaft hin oder her), einigen wir uns doch noch auf Chanel Nr. 5.
In Chanel-getränkter, allerbester Stimmung, die vermutlich für immer anhält, kuschele ich mich in die Kissen, während im TV endlich zu später Stunde Amy Adams den Oscar…NICHT gewinnt.
Stattdessen wird Cate Blanchett gekührt. Mit Ihren unverschämten 174 Zentimetern.

Laura sieht meine Enttäuschung: „Denk daran, Johanna. Fühl‘ Dich wie Chanel Nr. 5!“
Und das tu‘ ich.
Wie die Duftproben-Version in meinem Badezimmerschrank.
Haltbarkeitsdatum: Abgelaufen.

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/_fabrizio_/2135264399

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