Eine neue Kolumne. Ohne Apps.

Ich habe ja wirklich mit vielem ein Problem. Mit der Absetzung von Verbotene Liebe (wofür habe ich das die letzten 25 Jahre geschaut?), mit gelben Bananen (Grün. Die isst man grün!) und mit Käsespätzle (weils halt Spätzle mit Käse sind!).
Mal etwas Neues versuchen gehört nicht zu meinen Problemen. Im Gegenteil.
Monatlich, manchmal auch wöchentlich und hin und wieder sogar täglich packt mich die pure Erneuerungswut. Und die läuft in Ihren Dimensionen ziemlich unterschiedlich ab. Ich ziehe z.B. von heute auf morgen nach Stuttgart. Manchmal stelle ich einfach nur mein Zimmer um. Und dann- wenn ich besonders faul aber trotzdem erneuerungswütig bin – wechsele ich gerne die Perspektive beim Schlafen und platziere meinen Kopf dort, wo eigentlich meine Füße liegen. Das mag etwas verwirrend klingen. Besonders für meine Mitbewohner, die, wenn Sie mich mal wecken wollen, nur allzu oft meine Füße antippen. Sie finden es lustig. Vielleicht, weil ich regelmäßig zur Fußpflege gehe oder weil das noch das Harmloseste ist, was die Zwei durch meine Lust nach Neuem durchleiden müssen.
Schlimmer als das Rätselraten, wo sich beim Schlafen nun meine Füße und wo sich mein Kopf befindet, finden Beide, dass ich gerne und häufig unsere Wohnung bis auf die hinterste Ecke neu strukturiere. Meiner Meinung nach, sollten Sie Sätze sagen wie: „Johanna, wie schön, dass Du neuen Wind hier hineinbringst!“ Stattdessen höre ich Fragen wie „Johanna, wo sind meine Schuhe?“ oder „Johanna, war dieser Schrank hier nicht mal voll von Geschirr?“ oder auch „Johanna, wo bitte ist unser Balkontisch? Und warum wurde er durch 4 Zitronenbäume ersetzt?“. Klar. Ein Tisch auf dem Balkon war schon sehr sinnvoll. Aber der stand da halt jetzt auch schon seit 3 Monaten. Und die Zitronen kann man ja ernten, wenn Sie reif sind.
Ach nee, auf dem Schild steht „Nicht zum Verzehr geeignet“. Ups.

Gut, des Öfteren liege ich mit meinen Erneuerungsplänen nicht so 100% richtig und wirklich sinnvoll sind sie auch nicht immer. Aber dennoch haben auch undurchdachte Neuerungen Ihr positives. Ohne Sie würde ich immer noch nicht wissen, dass ich mit wasserstoffblonden Haaren gar nicht mal soo gut aussehe. Und ich wüsste nicht, dass mir kurze Haare zwar wirklich gut stehen, aber raspelkurz dann doch einfach zu kurz ist. 
Natürlich, einen gewissen Mehrwert bei längerem Nachdenken vor größeren Handlungen kann ich sicherlich nicht abstreiten. Denn raspelkurze Haare verwandeln sich leider nicht über Nacht in einen Sienna-Miller-Bob.

Und gerade wollte ich eine Pause von all dem Neuen machen und mir mit der Suche nach einem etwas, naja, modernerem Smartphone Zeit lassen, da scheint mir das Schicksal zu sagen: „Johanna, Du brauchst mal wieder was Neues, jetzt sofort!“ Und lässt prompt mein Smartphone unbemerkt aus meiner Tasche plumpsen. Ja, das Schicksal war schuld. Nicht die drei Tequila.
Dem Schicksal darf man natürlich nicht widersprechen. Und gerade als ich das altbewährte und beliebte Samsung Galaxy bestellen will, da ploppt es auf: Das neue Microsoft Lumia. Sogar in farbig gibt es das. 
Und ich denke: „Hmmm…Ein Microsoft-Smartphone hatte ich noch nie.“
„Bleib mal lieber bei Android oder iOS“, sagt Walter.
„Nur weil es neu ist, tust Du Dir damit keinen Gefallen“, sagt Stefan.
„Willst Du mich verarschen?“, sagt Rene.
„Sau cool“, sagt meine Freundin Joanna. „Das gibt’s ja auch in farbig.“
Also habe ich es gekauft. Ein ganz neues Smartphone. 
Mit ganz neuem Betriebssystem. 
Und ganz neuen Funktionen. 
Und ganz veralteten Apps!!!

„Hast Du wenigstens daraus gelernt, nicht immer auf Teufel komm raus was Neues auszuprobieren, sondern manchmal einfach beim Altbewährten zu bleiben?“ fragt meine Schwester Maria.

„Nein. Aber ich habe gelernt, dass man auch ohne Promiflash-App leben kann“, entgegne ich stolz. „Und ohne die neueste Version von Instagram. Und ohne WordPress-App. Und ohne As…MOMENT. 
ES GIBT KEINE ASOS APP!?!?!?

Schockiert lege ich das Smartphone auf den Tisch.

Okay.
Vielleicht sollte ich zukünftig einfach mal eine Idee wirklich zu Ende denken, bevor ich… oh, ein Fahrrad. Ich könnte mir ein altes Fahrrad kaufen und es restaurieren!


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/billybrown00/4982722491

One comment on “Eine neue Kolumne. Ohne Apps.
  1. Maria sagt:

    Ich bin begeistert

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