GESTATTEN, STILIKONE!

Gerade in letzter Zeit höre ich häufig den Ausruf: “Die hat richtig Stil”. Meistens in Zusammenhang mit Olivia Palermo, Alexa Chung und Co. Klar, dass ich mir jetzt so meine Gedanken mache, was es mit diesem “Stil” auf sich hat. Und unweigerlich schmeiße ich meine bisherigen Neujahrsvorsätze über Bord (okay, die meisten hatte ich sowieso schon aufgegeben) und ersetze sie durch einen einzigen, dringlichen Wunsch: Ich will Stilikone werden!
Ein ziemlich hochgegriffener Anspruch an mich selbst, wenn man jemand ist, der überall dagegenrennt, sich des öfteren im Halbdunkel anzieht und seinen männlichen Mitbewohner (ehemaliger Mathestudent!) zum persönlichen Fashionberater erchoren hat.
Sehr schnell nach der Verkündung dieses neuen Vorhabens, und nachdem ich meinem Umfeld klarmachen konnte, dass mein Plan definitiv kein Scherz ist, taucht ein Bild vor meinen Augen auf. Das Bild, wie ich an einem sonnigen Abend mit meinen neuen Higheels mit Pfennigabsatz über den Kopfsteinbepflasterten Marktplatz getrippelt bin. Ich fühlte mich gut, das Outfit saß und ich….steckte plötzlich mit einem Absatz unwiderruflich zwischen zwei Betonsteinen fest. Ob man mit hochrotem Kopf einen Schuh aus dem Boden herausbohren – und dabei bei anderen den Eindruck erwecken kann: “Wow, DAS ist eine Stilikone!”? Selbst wenn so etwas möglich ist, so ist es mir an jenem sonnigen Abend eindeutig nicht gelungen! Und dann die Tatsache, wie ich ständig von meinem Gegenüber beim guten Essen im Restaurant wahlweise mit schiefem Grinsen oder aufgerissenen Augen angestarrt werde, wenn ich anfange zu essen. Und das ist kein Wunder, im Hinblick darauf, dass es jeder Vierjährigen stilechter gelingt zu speisen, als ich. Es gehört schon was dazu, regelmäßig Spuren der Köstlichkeiten im Gesicht oder am Oberteil zu hinterlassen. Oder am Schuh (ja, auch das ist mir schon gelungen). Ob sich eine Olivia Palermo auch so fatale Fehltritte beim Speisen leistet? Schwer vorstellbar, dass Sie dann noch als Stilikone gelten würden. Ich komme nicht drumherum: Essensreste auf meinen Outfits zu verteilen und mich in der Öffentlichkeit zu blamieren, scheint für mich ein leichtes zu sein. Stilikone zu werden eher nicht. Doch dann kommt meine Kollegin Sabrina auf mich zu und erklärt: Für mich ist Stil, wenn man es schafft, sich seinem Charakter entsprechend zu kleiden! Und das ganze Team nickt zustimmend. Außer unser IT-Held Michael, der sich ganz sicher ist, dass es sehr stilvoll sein kann, ab und zu völlig nackt durchs Office zu rennen.
Ich entscheide mich spontan dafür, doch eher Sabrina zuzustimmen und schaue direkt nach Kleidern und Accessoires, die zu meinem Charakter passen. Auf der Suche nach fleckigen Kleidern, sehr mitgenommenen Heels und Accessoires, die so aussehen, als hätte man sie einige Male fallen gelassen, werde ich aber einfach nicht fündig.

Gut, dann halte ich mich einfach zukünftig an Michaels Hinweis.

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/quinnanya/3576803818

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