Granatengebäck

Ja, mir geht’s schlecht. Und nein, nicht auf diese pseudo „Mein-Leben-ist-nicht-lebenswert-weil-Verbotene-Liebe-wegen-einer-Sportübertragung-ausfällt“-schlecht. Diesmal geht’s mir so richtig schlecht, mit allem drum uns dran. Ohrenschmerzen, Halsschmerzen, Kopfweh, Schnupfen und auch ganz bisschen Husten. Ja, sogar Husten. Und hätte ich noch ein Organ, das von einer Erkältung befallen werden könnte, dann würde mir das auch weh tun. Ganz sicher. Mir geht es so schlecht, hätte ich einen passenden Stein griffbereit, ich würde wohl Gefahr laufen, mich damit zu erschlagen.

Aber von Ohrensausen, Selbstmitleid und Schluckbeschwerden mal abgesehen, so ist krank sein doch auch manchmal etwas wunderbares. Du kuschelst Dich in deine fluffigen Kissen, schlürfst heißen Tee und kannst endlich einmal wieder alle The Big Bang Theorie-Folgen am Stück schauen. Bei der ganzen Hetzerei im Alltag ist es doch einmal schön, richtig faul vor sich hin zu schimmeln. Natürlich schimmele ich nicht Wortwörtlich. Nur so bildlich gesehen, natürlich. Das einzige, was sich hin und wieder aus meinem Bett bewegt, ist dann der große Zeh, der vorfühlen soll, ob die Zimmertemperatur für meine aktuelle Gesundheitslage angenehm genug ist. Ist sie dies nicht, so brauche ich nur zu röcheln „Haaaaallo? Ist da jemand?“ Und schon kommen meine besorgten Mitbewohner, kochen mir neuen Tee, bringen mir die perfekt-beheizte Wärmflasche, öffnen (oder schließen) das Fenster, übernehmen meinen Putzdienst oder kaufen für mich ein. In solchen Momenten macht das krank-sein einfach Sinn und ich erfreue ich mich wieder des Lebens. Aber nur heimlich, denn ich bin ja krank.
„Ich denke, diese Erkältung ist einfach ein himmliches Zeichen, dass ichs mir mal wieder so richtig gut gehen lassen und ganz viele Quarkbällchen futtern soll“, texte ich meiner Freundin Regina per Whatsapp.
„Ich denke, diese Erkältung ist einfach ein eindeutiges Zeichen, dass man Nachts auf dem Wasen nicht komplett ohne Jacke im Nieselregen durch die Gegend springen soll“, antwortet Regina. Zum Glück ist Sie nicht vor Ort. Denn hätte ich einen Stein zur Hand, ich würde wohl Gefahr laufen, Sie für diese unsinnige Theorie zu erschlagen.

Doch man soll bekanntlich niemanden erschlagen, schon gar nicht, wenn man kein passendes Werkzeug dazu hat. Zudem muss man manchmal über die Unwissenheit einer Freundin hinweg sehen. Das kann ich am besten beim Backen. Deswegen mache ich mich direkt an die Arbeit um frische Quarkbällchen zu zaubern. Kaum sind die Ldeckereien im Ofen, kingelt das Telefon – Es ist meine Freundin Celina. „Böshans“ (sie nennt mich immer liebevoll beim Nachnamen, da Sie der Meinung ist, mein Nachname würde mehr über meinen Charakter aussagen, als jedes psychologische Gutachten) „Du bist krank?“, fragt Sie mich. „Könnte das daran liegen, dass Du nur im dünnen Dirndl Nachts im Nieselregen über den Wasen gehopst bist?“.
Mir scheint es so langsam, als würden sich meine Freundinnen absprechen. Das mag ich so gar nicht. Und wenn ich einen Stein in der Nähe hätte (hab ich ja bekanntlich immer noch nicht), ich würde wohl in diesem Moment Gefahr laufen, auch meine Freundin Celina damit zu erschlagen. Doch ich beruhige mich, verstehe langsam, warum mir niemand Steine schenkt und kläre die Gute ruhig und gelassen darüber auf, dass meine aktuelle Lage nichts mit der nächtlichen Tour über das Wasengelände zu tun hat, sondern lediglich ein Zeichen ist, mal wieder die Seele baumeln zu lassen, sich bedienen zu lassen, die köstlichsten Quarkbällchen auf Erden zu verpseisen und am laufenden Band Serien zu schauen.
Plötzlich riecht es verbrannt. Und wenn man nicht gerade versucht, ein Lagerfeuer zu entfachen, weil man in Kürze Marshmallows grillen will, ist der Duft nach Verbranntem nie ein gutes Zeichen. Also lege ich auf (für ein „Ciao, machs gut, lass‘ uns doch die Tage nochmal ausführlich quatschen“ bleibt definitiv keine Zeit mehr) und mit traurigen Augen fische ich 5 schrumpelige, steinharte und verkohlte Quarkbällchen aus dem Ofen.

Mein Mitbewohner Felix kommt hinzu. „Haha, na, wenn das kein Zeichen ist?“.
„Für was soll das bitte ein Zeichen sein?“ frage ich entrüstet. So langsam wird meine Laune immer schlechter.
„Da hättest Du wohl doch nicht ganz ohne Jacke Nachts herumlaufen sollen. Die Strafe folgt immer auf dem Fuße! Oder willst Du diese verkohlten Teile etwa noch essen?“
„Nicht wirklich. Aber es ist wohl tatsächlich ein Zeichen!“ entgegne ich.
„Aha, und was genau?“ fragt Felix.
„Das sag ich lieber nicht. Aber die passenden Steine dafür, habe ich soeben aus dem Ofen geholt!“


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/evablue/4583830419

 

Ein Gedanke zu “Granatengebäck

  1. www.ralfhauser.wordpress.com schreibt:

    Lustige Geschichte die ich gerne gelesen habe. Ich schimmle derzeit auch auf dem Sofa und erhole mich von den Capirinhas vom Freitag Abend^^^. Am liebsten lasse ich mich dabei von dem Deluxe Musiksender berieseln. Außer wenn Tastemaker Stunde ist, dann nicht. Das ist mir zu modern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *