Ich bin dann jetzt mal Star-Wars-Fan

Ich bin dann jetzt mal Star-Wars-Fan

Ist denn heut‘ schon Weihnachten?
Ja, ist es.
Woran man das merkt?
Zunächst einmal daran, dass kleine Kinder – vollgepumpt mit Schokolade und Adrenalin – durchs Haus rennen und aufgeregt schreien: „Wann kommt denn jetzt das Christkind?“ Man merkt es am vollbepackten Teller. Den man freudig entgegennimmt und komplett leer isst. Obwohl man doch bereits seit Stunden keinen Hunger mehr verspürt. Man merkt es an neuen Informationen, mit denen man das Umfeld beglücken will. Beispielsweise nachdem man in „Rogue One“ im Kino war. Mit Worten wie: „Ich bin jetzt übrigens Star-Wars Fan.“ Weihnachten merkt man aber auch an den alten Traditionen, die sich unbemerkt von einem Fest ins nächste ziehen. Und ich spreche hier nicht von Gottesdienst und Weihnachtsliedern. Sondern von Geschenk-Kommentaren, wie dem halb erstickten Schrei einer meiner Schwestern: „Oh nein. Johanna ist mein Wichtel?“ wenn die Wichtelgeschenke überreicht werden. „Ey, ich bin ein super Wichtel!“ sage ich dann immer. Und letztendlich erkenne ich dann doch immer die Blicke des Beschenkten, wenn er mein Geschenk öffnet. Blicke, die so viel sagen wie: „Was soll das bitte sein? Und wann stand das denn auf meiner Wunschliste?“ Anschließend wird dann üblicherweise erklärt, dass ich der schlechteste Geschenke-Macher bin.
Ich reagiere darauf aber nie.
Sondern ich rufe laut in die Runde: „Ist das nicht ein herrrrrliches Weihnachtsfest!?“
Themenwechsel – einfach ein geschicktes Manöver.

Und auch dieses Weihnachten: Meine kleine Nichte rennt – wie gewohnt – mit Schokoladenmund umher und schlägt vor lauter Aufregung an jedem zweiten Türrahmen an. Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten, schnappe ich Wintermantel und Nichte und laufe in den Kindergottesdienst. Irgendwie ist mir danach. Und irgendwie denke ich, dass sich das Programm nach all den Jahren sicher geändert hat.  *Achtung: Spoiler-Alarm* Es hat sich nichts geändert. Es gibt immer noch ein Krippenspiel, man singt immer noch „Oh Du fröhliche“ und Babygeschrei ertönt auch durch die letzte Ecke des Kirchenraumes.
Und am Ende des Gottesdienstes der altbekannte Ausklang: Die Orgelmusik spielt scheinbar nicht enden wollende, unwillkürlich-zusammengesetzte Melodien. Und ein verzweifelter Papa rennt vorne zum Altar um seinen Sohn einzufangen, der soeben darunter geschlüpft ist, um sich zu verstecken. „Da hat der liebe Papa seinen Sohn ja doch noch einfangen können!“ meint meine Sitznachbarin Frau Müller in der Kirche. „Stimmt“ bestätige ich. „Die Macht war wohl mit ihm!“ Ich lache. Frau Müller lacht nicht, weshalb ich schnell ergänze: „Ich bin jetzt Star-Wars-Fan, müssen Sie wissen!“

Und dann geht es ab nach Hause. Wo der Trubel, der gekühlte Sekt und die Geschenke bereits warten. Meine Nichte wartet nur ungerne, schnurstracks sitzt sie inmitten Ihrer Geschenke und rupft wie im Wahn das Geschenkpapier auseinander.
Und dann öffne ich mein Päckchen. Und meine Augen glänzen vor Freude.
Eine goldene Kette mit einem Star-Wars-Yoda-Anhänger.
„Yoda?“ fragt mich mein Schwager Ben etwas ungläubig. „Du magst Star-Wars?“
„Klar“, antworte ich. „Ich bin doch jetzt voll der Star-Wars-Fan!“
Und dann hätte ich still sein sollen.
Stattdessen ergänze ich: „Ich kann sogar bisschen was auf Klingonisch“
„Johanna. Du verwechselst gerade Star-Wars mit Star-Treck“, antwortet Ben und verrollt die Augen.
Alle gucken mich skeptisch an.
Ein sehr unweihnachtliches Gefühl!
Ich rufe: „Ist das nicht ein herrrrrliches Weihnachtsfest!?“
Doch niemand lässt sich beirren.
Mist!
Plötzlich entdeckt meine Schwester Anna ihr Wichtel-Geschenk und ruft: „Oh nee. Die Johanna ist schon wieder mein Wichtel?“
Alle schauen Anna etwas mitleidig an.
Und da merke ich dann wirklich:
Ja. Wir haben Weihnachten.

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/antoniocastagna/23923516725

 

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