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Irgend so ein Wochentag

Diese Sache mit den Plänen. Die man immer so schön träumt und inszeniert. Sei es der Vorsatz, von nun an mindestens einmal in der Woche vor der Arbeit schwimmen zu gehen. Oder eine Kolumne, die jeden 2. Sonntag erscheinen soll.
Und am Ende?
Am Ende ist die Zeit vergangen, man bemerkt, dass man es in fast drei Monaten gerade nur einmal vor der Arbeit ins Schwimmbad geschafft hat. Und man sitzt an einem Sonntag, um 21:40 Uhr, müde und etwas orientierungslos, vor seinem Laptop – weil man vor 15 Minuten bemerkt hat, dass eigentlich wieder Kolumnen-Sonntag ist.

„Jeden zweiten Sonntag um Punkt 20 Uhr erscheinen meine Kolumnen“, lautete damals mein Plan. Ziemlich naiv, die Sache mit der Uhrzeit – wenn man bedenkt, dass ich generell ziemlich zeitlos, mit falsch laufender Armbanduhr, unterwegs bin. Aber auch die restliche Planung schien doch sehr ambitioniert. Spätestens vor zwei Wochen in der Kantine hätte mir auffallen müssen, dass ich für solche Pläne nicht gemacht bin. Nämlich, als ich vor der Dame an der Essensausgabe stand, mein Tablett hinhielt und einmal das Tagesgericht verlangte. Ich erwartete: Gemüsecurry. Ich bekam: Linsen mit Würstchen und Spätzle.
„Ähm, sorry. Aber das Mittwochs-Menü war doch Curry?“ fragte ich.
„Stimmt schon. Aber wir haben nun mal Dienstag“ erklärte die Dame.
Und schlagartig wurde mir bewusst: 1. Es gibt offensichtlich wirklich viele Leute, die finden, dass man Linsen mit Spätzle guten Gewissens auf einen Teller packen kann. Und 2. Wenn ich einen Dienstag nicht von einem Mittwoch unterscheiden kann, wie soll ich mir dann bitte jeden zweiten Sonntag als Kolumnen-Tag einprägen?
„Johanna, mach Dir doch einfach einen Plan. Dann hast Du die Übersicht“, beriet mich eine Freundin. Und das versuchte ich. Direkt nach meiner Kantinen-Misere machte ich einen Plan. Jenen Plan, der besagte: Am 11.12.2016 ist Kolumnen Sonntag.

Und so saß ich Freitagsabends im Zug nach Kaiserslautern. Zeit für Familie. Zeit für Heimat. Und Zeit für die Arbeit an der neuen Kolumne. Also zog ich meinen Notizblock hervor und wollte gerade anfangen zu schreiben.
„Oh, Sie schreiben noch mit der Hand? Charmant!“ meinte ein älterer Herr – mein Sitznachbar.
„Irgendwie mag ich das ganz gerne. So kann ich doch immer alle Ideen ganz unkompliziert festhalten“, antwortete ich. Und dann unterhielten wir uns. Über Arbeit. Und Pläne. Und Ziele.
„Und was ist Ihr Ziel?“ fragte der ältere Herr.
„Also eigentlich ist mein Ziel, jeden zweiten Sonntag weiterhin pünktlich eine Kolumne auf meinem Blog hochzuladen“ erkläre ich. „Aber ich bin etwas planlos, müssen Sie wissen. Aber ich denke, dass ich…“
„Nein, nein“, unterbrach mich der Herr. „Ich meine: Wo müssen Sie aussteigen?“
„Achso“ sagte ich, etwas verlegen. „In Kaiserslautern.“
„Na das Ziel erreichen Sie aber so schnell nicht“, rief plötzlich eine Dame vom Platz hinter mir. „Da sitzen Sie im falschen Zug.“
Zu gerne hätte ich Sie ausgelacht. Hätte ich auch tatsächlich gemacht – wenn Sie mit Ihrer Aussage nicht so recht gehabt hätte.
„Die nächste Station können Sie aussteigen“, meinte ein weiterer Fahrgast. „Da haben Sie dann Anschluss an Kaiserslautern.“
„Der kommt sogar schon in 20 Minuten“, erklärte die Schaffnerin, die gerade an mir vorbeihuschte.
Und während ich auf den nächsten Halt wartete und sich der Rest der Passanten inzwischen eingehend über mich, meine weiteren Reisepläne und den aktuellen Leistungsstand des 1.FC Kaiserslautern unterhielten, waren meine Kolumnen-Pläne schon wieder vergessen.
Dann hielt der Zug. Und bevor ich ausstieg, drehte ich mich nochmal zu den Mitfahrenden um und fragte: „Heute ist aber schon Freitag, oder?“
Der alte Mann lachte und nickte mir freundlich zu.

Und rückblickend betrachtet bin ich doch etwas verblüfft.
Davon, trotz dieser Planlosigkeit einen Freitag als Freitag identifiziert zu haben.
Und davon, dass ich es doch immer schaffe an meinem Reiseziel anzukommen. Auch wenn ich im falschen Zug sitze.
Aber besonders davon, dass sie mir geglückt ist.
Die neue Kolumne.
An einem Sonntag.



Moment.
Wir haben doch Sonntag!?

 

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/andreanna/2837855969

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