Babyhand

Paten.Tanten.Action

Heute ist es endlich soweit, ich werde Patentante. Nach so langer Vorarbeit durch die eigene Taufe (ja, damals war ich immerhin schon 4 und wusste genau, dass ich selbst mal Patentante werden will), durch den nicht-enden-wollenden Konfirmationsunterricht und das anschließende, feierliche Finale in Form meiner Konfirmation. Was dann noch dazu beigetragen werden musste, war für mich dann quasi nur noch Nebensache: Eine meiner 3 Schwestern musste sich dazu bereiterklären, Mutter zu werden und dann noch genug Humor besitzen, eines Ihrer Kinder zu meinem Patenkind zu ernennen. Ich habe schon immer irgendwie gewusst, dass keiner freiwillig eine Patentante heraussucht, die mitten am Tag gegen Straßenlaternen rennt, die Ihr Auto im Parkhaus nicht wiederfindet oder die mit Vorliebe Ihren Nichten beim Babysitten Schnurrbärte aufmalt – ohne zu bedenken, dass das gerade mit Wasserfesten Stiften bei Mamas gar nicht gut ankommt. Ja, ich wusste schon früh, dass ich sicher nicht die erste Wahl sein werde, wenn es um das Patenamt geht. Und so habe ich mehrwöchige Verhandlungen mit meinen Schwestern geführt, die – Dank meinen schlüssigen Argumenten und einer Packung Kinderschokolade – dazu führten, dass meine Schwester Maria wusste: Ihr erstes Kind bekommt definitiv mich zur Patentante.

„Warum willst Du eigentlich unbedingt Patentante werden?“ fragte mich einmal eine Freundin. Und ich antwortete: „Weil Dein einziger Job darin besteht, zur Lieblingstante zu werden, Dein Patenkind zu hegen und zu pflegen und Schokolade zu besorgen, wenn Mama und Papa gerade ein Schokoladenverbot ausgesprochen haben!“
Was mir erst viel später bewusst wurde (sowas wird einem im Konfirmationsunterricht ja nicht erzählt): Patentanten kommen in den Genuss ganz bestimmter Pflichten, die sonst nirgendwo niedergeschrieben sind. Nichts kleingedrucktes, kein versteckter Paragraph und schon gar kein Stoppschild weisen auf die Gefahren hin, die auf Dich bereits als Patentanten Anwärterin warten.
Zum Beispiel, wenn mein Patenkind Thelma offensichtlich die Windeln voll hat, ertönt es gerne aus Marias Mund: „Oho, da muss jemand gewickelt werden. Na, wenn das kein Job für die Patentante ist!?“ Oder wenn wir im gemeinsamen Familienurlaub sind und alle im Pool herumplanschen, bekomme ich öfters zu hören: „Keine Sorge Thelma, Deine liebe Patentante bleibt mit Dir am Beckenrand im Schatten stehen und passt auf Dich auf, während wir unsere Cocktails schlürfen und unsere Schwimmrunden drehen.“ Oder auch, wenn Thelma Ihre zickige Phase hat, mit mürrischem Blick, hochrotem Kopf und grellem Geschrei umherrennt und sich weder von Ihren Stofftieren noch von der (von mir heimlich gereichten) Schokolade dazu umstimmen lassen kann, jetzt doch wieder fröhlich zu sein, dann ist das Zicken-Bewältigungs-Programm irgendwie auch wieder plötzlich die alleinige Aufgabe der Patentante. Und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Patentante zu sein, das könnte sich auf Dauer zu einer echten Herausforderung entwickeln.

Und ich bin unsicher. Wer wird sich um die Teenagerprobleme kümmern müssen? Wer wird darunter leiden, wenn das Kind mal die erste Koffeein-Dosis zu sich nimmt und den zusätzlichen Energieschub herauslässt? Wer wird dem Kind bei den Hausaufgaben helfen und sich gemeinsam mit ihm fragen müssen, wie viele Melonen Gabi am Ende eines Spaziergangs noch hat, wenn Bernd 3 halbe Melonen isst?
Langsam dämmert es mir.
Das werde wohl ich sein.

Und mir drängt sich die Frage auf: Warum will ich nochmal seit ewigen Zeiten unbedingt Patentante werden?
Um ständig die Windeln wechseln zu dürfen?
Und dann beginnt die Taufe.
Und meine Nichte steht am Altar und zupft verlegen an Ihrem Kleid herum.
Dann erblickt sich mich und rennt mit offenen Armen auf mich zu.
„Tata Jojo“ ruft Sie und strahlt.
Und ich strahle auch und weiß: Ja, ich will unbedingt Ihre Patentante werden.
„Und nach der Taufe lernst Du, wie man allein aufs Töpfchen geht!“ flüstere ich.
„Okay“, stimmt Thelma zu.
Na also, geht doch.
Beste. Patentante. Ever.

 

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