POPCORN-POESIE

Helau, Alaaf oder was man sonst noch alles gröhlt, wenn man stark alkoholisiert im bunten Kostüm über die Biertische hopst. Genau, wir nähern uns der Faschingszeit! Eine Zeit, in der man in den Schaufenstern der Stadt eher grelle Outfits statt dezenten Chic zu sehen bekommt. Fasching ist laut, schrill und anstrengend. Klar, dass auch ich wieder mit von der Partie bin.
Aber was ist bloß das Besondere an dieser Zeit? Warum drehen in diesen Wochen alle durch? Und warum, zur Hölle, mache ich bei so etwas ständig mit und schmeiße mich – wie so viele andere – in die unterschiedlichsten Verkleidungen?
Jeder kann an einem Abend das sein, was er schon immer mal sein wollte! So lautet die Erklärung meiner faschingserprobten Freundin Regina und irgendwie klingt das absolut logisch. Dass ich mich vor zwei Jahren als Popcorn-Eimer verkleidet habe, lasse ich hier mal außer Acht. Bisher war mir nämlich noch nicht bekannt, dass ich tief im Inneren den Wunsch hege, einem aufgeplatzten Maiskorn zu gleichen. Sicherlich erhoffte ich mir durchaus schonmal die Existenz einer Superheldin oder die einer Zoodirektorin, aber wahrhaft nie die einer Kinoknabberei.
Wer will schon ein Popcorn sein?

Ob ich vielleicht dazu neige, die falschen Kostümierungen auszuwählen? Absolut, erklärt meine Schwester Anna. Offensichtlich leidet sie immer noch etwas darunter, dass ich ihr vor geraumer Zeit eine Faschingsparty ruiniert habe. Während meine Schwester sich damals, passend zum Motto Angst & Horror in ein thematisch sinnvolles Hexenoutfit schmiss, entschied ich mich für ein Kostüm, das mein pausbackiges Gesicht umschmeichelte. Ich wählte etwas zeitloses und klassisches. Etwas farbenfrohes. Und unter all diesen Hexen, Monstern und Vampiren, fühlte ich mich als einziger Marienkäfer auch pudelwohl. Anna fühlte sich nur peinlich berührt. Dass sich daran heute niemals mehr jemand erinnert, scheint für sie kein Trost zu sein.

Im Gegensatz zu mir hat Regina bereits eine geraume Auswahl an verschiedenen Kostümen getroffen, die für sie dieses Jahr in Frage kommen. Und so führt sie mir direkt gefühlt hundert Outfits und tausende von Haarstyling-Varianten vor. Ich selbst wähle kurz darauf auch mein Kostüm aus, diesmal darauf bedacht, was ein solches Kostüm aussagt: Etwas, was ich schon immer einmal sein wollte. Das Popcorn-Kostüm fällt dieses Jahr dementsprechend weg. Also richte ich meinen kunstvoll drapierten, dunklen Bob, quetsche mich in meine enge, knallgelbe High-Waist-Röhrenhose und setze meine viel zu große Retro-Brille auf. Etwas unkleidsam, das Ganze. Aber so sieht sie nun mal aus, die Karla Kolumna. Regina ist zufrieden, Anna erleichtert, dass ich mich nicht wieder als Marienkäfer präsentiere und beide nicken das Kostüm ab.
Tatsächlich schaffen wir es zu dritt in bester Laune zur Faschingsparty. Anna, Regina und ich. Mehrere Lady Gagas sitzen bereits zu Beginn betrunken in der Ecke, während ca. zehn Audrey Hepburnes wild auf den Tischen tanzen. Hier und da stolpert ein mehr oder weniger gut verkleideter Cowboy an uns vorbei und auch ABBA scheint an dieser Party wieder zu alter Form gefunden zu haben. Einer des ABBA-Quartetts stolpert auf uns zu, zeigt auf meine Schwester und lacht: Warst Du nicht damals mit diesem Marienkäfer auf der Horror-Party???
Anna wirft mir einen vernichtenden Blick zu.

Und da ist er plötzlich. Der dringende Wunsch, Popcorn zu sein!

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/heypaul/3405289

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