Fraueneingang_Betzenberg

Schwalben, Abseits und…Oh! Ist der aber süß!

Olé, olé, olé. oléééé…
Ja, es ist wieder soweit. Die Europameisterschaft ist wieder in vollem Gange. Wer es nicht an den großen Leinwänden in jeder noch so kleinen Kneipe erkennt, sollte es zumindest an den Autokorsos oder an den leicht verblichenen Fahnen der unterschiedlichsten Länder an Fenstern, Autos oder auch auf T-Shirts entdecken. In Zeiten von Kicktipp-Wettspielen im Internet und Public Viewing bleibt wohl niemand von dem Fußball-Wahnsinn während einer EM oder WM verschont. Selbst Mädels, die sich während der normalen Bundesliga darüber ärgern, wenn Ihre Vorabendserie aufgrund eines Spiels verschoben wird, blühen auf einmal zu grenzenlosen Fußballfans auf. Natürlich, ich gehöre auch dazu.
Während ich nur Gähne, wenn ich gefragt werde, ob ich das DFB-Pokal-Endspiel (was ist das?) mit anschauen möchte, werde ich bei einem EM-Spiel zu einem richtigen Fußball-Kenner. Ich finde aber, dass ich das darf. Schließlich bin ich auch – zumindest zu einem kleinen Anteil und immer mal wieder – auch zwischen den EMs und WMs dieser Welt höchst Fußball-Enthusiastisch. Es wurde mir sozusagen in die Gene gelegt. Denn geboren und aufgewachsen bin ich in Kaiserslautern und bin damit – schon auf ganz natürliche Art und Weise – größter FCK-Fan. Kritische Stimmen würden nun sagen: „Naja, 1. FCK. Fußball kann man das ja wirklich nicht nennen!“ Das sagen dann auch viele. Und dann haue ich Sie. Ich selbst rolle mit den Augen, wenn sich die Spieler des 1. FCK mal wieder einen Faux-pas erlauben und höchst unterirdisch spielen. Und ich mache auch witze, wenn der Verein wiedereinmal in der Tabelle abrutscht. Aber ich darf das auch, ich als FCK-Fan. Genau wie eine Mutter über das eigene Kind Witze machen darf. Aber eben niemand sonst.
„Hahaha, wie süß. Die ist Fan von einem Verein in der 2. Liga!“ lachte mich vor Kurzem noch mein ganzer Freundeskreis aus. Am Rande sollte ich erwähnen, dass eben jene Freunde Fans des VFB sind, von eben jenem Verein, der dem FCK ab sofort in der 2. Liga Gesellschaft leistet. Herrlich, wie das Karma einfach alles richtig macht.

„Aber, aber“, tröste ich die langen Gesichter, nachdem der VFB-Abstieg besiegelt war. „Die zweite Liga ist nicht das Ende der Welt!“
„Aha, und das weißt Du so genau!“ antwortete ein Kollege, der den Abstieg wahrlich nicht leicht nahm. „Klar weiß ich das genau“, entgegnete ich. Und erklärte kurz und mit vielen sportlichen Fachbegriffen, dass sich in der ersten Liga gerade einige Vereine befinden, die keinerlei Tradition, dafür Unmengen von Geld von Sponsoren aufweisen können und sich gerade quasi in die erste Liga gekauft hatten. Ein beeindruckter Blick war die Antwort und ein anderer Kollege meinte, wenn auch sehr leise: „Ok, die hat ja echt ein bisschen Ahnung“. „Klar habe ich die“, strahle ich. Und freue mich zutiefst, dass ich bei der letzten Bundesliga-Rede meines Cousins Philipp ein bisschen zugehört habe und die Ansprache nicht komplett ausblendete.
„Außerdem kann ich jetzt – wo Stuttgart und Kaiserslautern in der selben Liga spielen – endlich den FCK im Stuttgarter Stadion sehen. Auch wenn der Betze natürlich immer noch das Non-Plus-Ultra ist.“
„Da gehe ich dann mit“, ruft mein Freund David begeistert.
Und in diesem Moment beschließe ich, Fußball-Fan und Fußball-Kenner zu werden.
Und so schaue ich mit Freunden und Kollegen das EM-Spiel Deutschland gegen Nordirland.
Hin und wieder werfe ich einen schlauen Satz ein, rufe „das war doch ’ne Schwalbe“ an den Stellen, an denen es scheinbar passt und erwähne hier und da „das war ein wirklich guter Pass von *Name-eines-Spielers-den-ich-kurz-vorher-aufgeschnappt-habe*.

Alles läuft prima und gefühlt bin ich zu diesem Zeitpunkt bereits quasi als Fußballspezialistin bekannt.
Dann schießt Deutschland ein Tor.
Meine Kollegen und Freunde freuen sich.
Ich freue mich auch – natürlich.
„Ha! Endlich ein Tor gegen die Nordiren“, ruft ein Freund in die Menge! „Jetzt haben die kein Tor und noch nicht mal ’ne eigene Nationalhymne. Die nehmen immer die von England“. Er lacht.
Ich werde traurig.
„Die haben keine eigene Hymne und sollen jetzt das Spiel noch verlieren?“ rufe ich entsetzt und ergänze: „Los Ihr Iren! Ihr schafft das. Besonders die Nummer 14. Oh, der ist ja voll süß!!!“
Alle schauen mich ungläubig an.
Und ich glaube, ich habe soeben meinen Status als Fußball-Kenner verspielt.
„Ist ja schon“, versuche ich zu retten, was zu retten ist.
„Die deutsche 11 gewinnt doch eh! ……….. Ähm. Das sind doch 11, oder?“

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/jmm-hamburg/4103636014

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