Schlüssel

Wie ich quasi schon auf das Licht zulief – Schlüssellos unterwegs Teil 2

Ein Frühlingsfest, eine Johanna, eine gesperrte EC-Karte, ein fast leerer Handy Akku und ein Haustürschlüssel, der noch zuhause lag: Es gibt Abende, da passt einfach alles. Manchmal eben nur nicht so, wie man das gerne hätte. Und doch glaubte ich zu dieser Stunde noch an das Glück in all diesem Unglücken. Das Glück kam auch – nämlich in Form einer Nachricht von meinem Mitbewohner direkt auf mein Handy: „Ich bin daheim, bin extra mit dem Taxi gefahren. Du kannst also jetzt wieder nachhause kommen.“
Ich war erleichtert, dass ich die Nacht offensichtlich doch in meinen eigenen vier Wänden verbringen durfte.
„Du kommst jetzt also wieder rein?“ hakte Corinna nach. „Klar“, strahlte ich bis über beide Ohren. Und so trat ich die Heimreise an und stand bereits nach kurzer Zeit mit piepsendem Handy, das inzwischen den Warnhinweis „Bitte laden Sie den Akku auf“ anzeigte, vor meiner Tür. Weiterlesen

Beziehungsproblematik

 

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INSPIRATION. So ein großes Wort neben einer so kleinen Johanna. Inspiration ist so eine Sache, manchmal fehlt sie einfach. Umso schlauer, wenn man vorsorgt – finde ich – und auf Inspirationssuche geht.
Meine Suche begann am Samstag, um 9:30 Uhr auf dem Blogst-Workshop in Verbindung mit der Designmesse Blickfang. Neben reichlich Inspiration war ich auch auf der Suche nach Antworten zu Fragen wie „Was gibt es noch für Blogger da draußen?“, „Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?“, „Welche Fragen kommen bei Ihnen so auf?“ und „ob ich der einzige Blogger mit einem Windowsphone bin?“. Letztere Frage konnte ich schon nach kürzester Zeit mit „Ja“ beantworten. Nämlich, als man sich kunterbunt austauschte und ich nur noch hörte „…ein super Tool, gibt’s auf alle Fälle fürs iPhone“ oder auch „…das ist ja eine praktische App zum Bloggen. Die gibt’s jetzt auch für iOS und Android“. Ich schaue enttäuscht und auch etwas wütend auf mein Windowsphone. Und gerade, als ich beschließe, dass es weg muss, bekomme ich das Gefühl, dass mein Windowsphone gleich irgendwie traurig aussieht. Natürlich, ein Smartphone hat keine Gefühle. Und mir wurde schon einmal von meiner Freundin Laura, zu diesem Zeitpunkt meine Beifahrerin, attestiert, dass ich zu Gegenständen oft eine zu tiefe Beziehung entwickele. Damals habe ich ihr vehement widersprochen. Nachdem ich aber kurz darauf mit meinem Smart steil bergauf fahren musste und mich Laura dabei beobachten konnte, wie ich das Fahrzeug tröstend am Armaturenbrett tätschelte, kam in mir doch die Befürchtung auf, dass da etwas dran ist.
„Bist Du auch bei Instagram?“ werde ich von einer Workshop Teilnehmerin gefragt. „Jein, das gibt’s bisher fürs Windowsphone nur in der Beta-Phase“, flüstere ich und halte mein Smartphone etwas von mir weg. Es ist schon deprimiert und muss auch nicht alles Negative hören. (Habe ich eventuell doch ein größeres Problem?)
„Inspiration…“ wechsele ich schnell das Thema. „…woher bekommt Ihr denn so die besten Ideen für Euren Blog?“ „Ganz oft bei der Hausarbeit“, erfahre ich von einer Bloggerin. Und denke, dass dies durchaus ein Test wert ist. Doch die einzigen Gedanken, die mir beim Küchenputz dann so durch den Kopf gehen, sind: „Mist, bin ich so ein krasser Kühlschrankmessi“ und „ob so etwas behandelbar ist?“ und auch „ob mein Kühlschrankmessiproblem eventuell auch direkt zusammen mit meinem Beziehungsproblem mit Gegenständen geheilt werden kann?“ Echte Inspiration ist doch anders. Weniger Nervenarztmäßig. Meine ich zumindest. Eine andere Teilnehmerin meint: „Unter der Dusche! Da entspanne ich und mir kommen die schönsten Ideen“. „Ha“, denke ich. Und stelle mich unter die Dusche. Natürlich nicht während des Workshops, sondern erst danach. Auf dem Workshop gab es nämlich keine Dusche.
Unter der heimatlichen Dusche angekommen, merke ich, wie mich das warme Wasser entspannt. Ich shampooniere meine Haare und hoffe, dass nun die besten Ideen vor dem geistigen Auge auftauchen. Das einzige jedoch, was IN meinem Auge auftaucht, ist ein großer Klecks Shampoo. Ich schrecke zurück, stoße gegen den Wasserwärmeregler, das Wasser wird kochend heiß. Ich schreie auf, reiße den Regler herum und sorge idiotischer Weise dafür, dass nach kochend heißem nun eiskaltes Wasser auf mich einprasselt. Ich schreie abermals laut auf (im Nachhinein bin ich etwas entsetzt darüber, wie locker und unberührt meine Mitbewohner bleiben, wenn ihre liebste Mitbewohnerin im Bad mehrmals laut aufschreit!) und verlasse das Bad. Nein, ich bin nicht inspiriert. Nur verspannt, verbrannt und gleichzeitig unterkühlt. Muss man auch erst mal schaffen.
„Jeder holt sich seine Inspiration individuell woanders“, meint eine andere Teilnehmerin. Genauso, wie auch jeder andere Themen hat, für die er sich interessiert und über die er bloggt.“ Stimmt natürlich, wie überall gilt auch bei der Inspiration: Jeder muss seine eigenen Inspirationsquellen finden. Jeder ist anders. Und so schaue ich mich um, über was so geschrieben wird. Heidi, die neben mir sitzt, schreibt zum Beispiel über Yoga (ich nenne Sie inzwischen gerne Yoga-Heidi). Eine Workshop Teilnehmerin, die mir gegenüber sitzt und unglaublicher Weise auch Heidi heißt, schreibt über Kuchen. Das ist natürlich die Kuchen-Heidi. Ist ja klar. Und eine weitere Bloggerin schreibt über Schweine. Und wenn ich so an das Aussehen meines Kühlschrankinneren denke, diesen absoluten Saustall, so meine ich, könnte ich mich mit der Schweinebloggerin irgendwie zusammentun. Hmm…obwohl. Die Schweinebloggerin ist bestimmt auch auf Snapchat aktiv. Und das gibt’s nicht fürs Windowsphone!“
Ein Ächzen reißt mich aus meinen Tagträumen. „Mist, mein Akku vom iPhone ist schon wieder leer“ stöhnt ein Mädchen im blauen Kleid auf. Ein anderes Mädel mit hochgebundenen Haaren stimmt mit ein: „Oha nee, mein iPhone ist auch leer“. In diesem Moment bekomme ich eine Nachricht von einer Teilnehmerin, die bereits auf der Heimreise ist: „Mist, Ladegerät in Stuttgart vergessen und iPhone-Akku fast leer“.
Und so nehme ich mein Windowsphone in die Hand, schaue auf den Akkustand, der noch satte 40% anzeigt, tätschle es sanft und lächle.
Es lächelt zurück. Meine ich zumindest.
Denn es weiß: Ich kann ohne Snapchat. Aber ich kann nicht ohne Windi*.

*Spitzname meines Smartphones. Ja. Richtig gelesen. Das hat ´nen eigenen Spitznamen.

Eine neue Kolumne. Ohne Apps.

Ich habe ja wirklich mit vielem ein Problem. Mit der Absetzung von Verbotene Liebe (wofür habe ich das die letzten 25 Jahre geschaut?), mit gelben Bananen (Grün. Die isst man grün!) und mit Käsespätzle (weils halt Spätzle mit Käse sind!).
Mal etwas Neues versuchen gehört nicht zu meinen Problemen. Im Gegenteil.
Monatlich, manchmal auch wöchentlich und hin und wieder sogar täglich packt mich die pure Erneuerungswut. Und die läuft in Ihren Dimensionen ziemlich unterschiedlich ab. Ich ziehe z.B. von heute auf morgen nach Stuttgart. Manchmal stelle ich einfach nur mein Zimmer um. Und dann- wenn ich besonders faul aber trotzdem erneuerungswütig bin – wechsele ich gerne die Perspektive beim Schlafen und platziere meinen Kopf dort, wo eigentlich meine Füße liegen. Das mag etwas verwirrend klingen. Besonders für meine Mitbewohner, die, wenn Sie mich mal wecken wollen, nur allzu oft meine Füße antippen. Sie finden es lustig. Vielleicht, weil ich regelmäßig zur Fußpflege gehe oder weil das noch das Harmloseste ist, was die Zwei durch meine Lust nach Neuem durchleiden müssen.
Schlimmer als das Rätselraten, wo sich beim Schlafen nun meine Füße und wo sich mein Kopf befindet, finden Beide, dass ich gerne und häufig unsere Wohnung bis auf die hinterste Ecke neu strukturiere. Meiner Meinung nach, sollten Sie Sätze sagen wie: „Johanna, wie schön, dass Du neuen Wind hier hineinbringst!“ Stattdessen höre ich Fragen wie „Johanna, wo sind meine Schuhe?“ oder „Johanna, war dieser Schrank hier nicht mal voll von Geschirr?“ oder auch „Johanna, wo bitte ist unser Balkontisch? Und warum wurde er durch 4 Zitronenbäume ersetzt?“. Klar. Ein Tisch auf dem Balkon war schon sehr sinnvoll. Aber der stand da halt jetzt auch schon seit 3 Monaten. Und die Zitronen kann man ja ernten, wenn Sie reif sind.
Ach nee, auf dem Schild steht „Nicht zum Verzehr geeignet“. Ups.

Gut, des Öfteren liege ich mit meinen Erneuerungsplänen nicht so 100% richtig und wirklich sinnvoll sind sie auch nicht immer. Aber dennoch haben auch undurchdachte Neuerungen Ihr positives. Ohne Sie würde ich immer noch nicht wissen, dass ich mit wasserstoffblonden Haaren gar nicht mal soo gut aussehe. Und ich wüsste nicht, dass mir kurze Haare zwar wirklich gut stehen, aber raspelkurz dann doch einfach zu kurz ist. 
Natürlich, einen gewissen Mehrwert bei längerem Nachdenken vor größeren Handlungen kann ich sicherlich nicht abstreiten. Denn raspelkurze Haare verwandeln sich leider nicht über Nacht in einen Sienna-Miller-Bob.

Und gerade wollte ich eine Pause von all dem Neuen machen und mir mit der Suche nach einem etwas, naja, modernerem Smartphone Zeit lassen, da scheint mir das Schicksal zu sagen: „Johanna, Du brauchst mal wieder was Neues, jetzt sofort!“ Und lässt prompt mein Smartphone unbemerkt aus meiner Tasche plumpsen. Ja, das Schicksal war schuld. Nicht die drei Tequila.
Dem Schicksal darf man natürlich nicht widersprechen. Und gerade als ich das altbewährte und beliebte Samsung Galaxy bestellen will, da ploppt es auf: Das neue Microsoft Lumia. Sogar in farbig gibt es das. 
Und ich denke: „Hmmm…Ein Microsoft-Smartphone hatte ich noch nie.“
„Bleib mal lieber bei Android oder iOS“, sagt Walter.
„Nur weil es neu ist, tust Du Dir damit keinen Gefallen“, sagt Stefan.
„Willst Du mich verarschen?“, sagt Rene.
„Sau cool“, sagt meine Freundin Joanna. „Das gibt’s ja auch in farbig.“
Also habe ich es gekauft. Ein ganz neues Smartphone. 
Mit ganz neuem Betriebssystem. 
Und ganz neuen Funktionen. 
Und ganz veralteten Apps!!!

„Hast Du wenigstens daraus gelernt, nicht immer auf Teufel komm raus was Neues auszuprobieren, sondern manchmal einfach beim Altbewährten zu bleiben?“ fragt meine Schwester Maria.

„Nein. Aber ich habe gelernt, dass man auch ohne Promiflash-App leben kann“, entgegne ich stolz. „Und ohne die neueste Version von Instagram. Und ohne WordPress-App. Und ohne As…MOMENT. 
ES GIBT KEINE ASOS APP!?!?!?

Schockiert lege ich das Smartphone auf den Tisch.

Okay.
Vielleicht sollte ich zukünftig einfach mal eine Idee wirklich zu Ende denken, bevor ich… oh, ein Fahrrad. Ich könnte mir ein altes Fahrrad kaufen und es restaurieren!


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/billybrown00/4982722491