UND IMMER WIEDER HEITER SCHEITERN

Die Nacht der Nächte, in der sich alles ändern soll. Üppig bestückt sind sie ja meistens, diese Listen an Neujahrsvorsätzen. Und so sehr ich mich auch dafür schäme: Jedes Mal aufs Neue – sobald ich langsam die Aussicht auf ein neues Jahr erhalte – zücke ich meine To-Do – Liste und schreibe auf… naja… eigentlich alle Vorsätze, die es bereits im vergangenen Jahr auf die Liste geschafft haben. Und im Jahr davor. Und die aus dem Jahr davor auch.
Es scheint – auch wenn ich mir das nur schweren Herzens eingestehen kann – dass ich wohl noch nie einen Vorsatz voll und ganz in die Tat umgesetzt habe. Ich bin fast so kühn zu behaupten, dass bei mir die meisten Vorsätze bereits Ende Januar in die ewigen Jagdgründe verschwinden. Zusammen mit dem ein oder anderen Kleid, in das ich eigentlich – dank einiger kalorienreduzierenden Vorsätze – wieder hineinpassen wollte. Ich breche die Vorsätze immer wieder. Ich hab’s mir quasi einfach “johanngewöhnt”.

Aber so sind sie, diese mistigen Vorsätze: Elendige kleine Zukunftsfantasien, die bei mir den Eindruck erwecken, die Umsetzung sei ein Klacks. Wie üppige Anleitungen zu Hochsteckfrisuren. Und am Ende sieht’s doch nur aus, wie ein verwaistes Vogelnest!
Aber es sind nicht nur die Wiederholungstäter, die sich auf dieser Liste der unrealistischen Wahnvorstellungen wiederfinden. Denn auch wenn mein Geldbeutelinhalt sich scheinbar weigert dies zu glauben: Stetiges Wachstum ist das A und O. Deshalb kommt jedes Jahr ein Vorsatz hinzu, über den ich bereits bei der Formulierung weiß: “Hallo kleiner Vorsatz, auch Dich werde ich nun Jahr für Jahr wieder sehen.” Doch ich tu’ es trotzdem. Genau wie ich mir jeden Sommer mindestens eine Jodhpurhose zulege, obwohl mir doch schmerzlich bewusst ist, dass ich damit aussehe, wie eine Fünfjährige in einem zu großen Strampler. Ich habe bereits fünf (!) von dieser Hosensorte in meinem Schrank. Und genau wie die Ansammlung dieser zweifelhaften Sommerteile, vermehren sich auch meine Vorsätze.

Letztes Jahr hatte ich einen famosen Vorsatz, in dem sogar die minimale Hoffnung hatte, ihn durchzusetzen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir nur noch Kleidungsstücke zu leisten, von denen ich bereits wusste, dass sie mir ganz hervorragend standen. Eben alle Teile, die etwas “johannmutiges” an sich hatten. Mit Mitte zwanzig hat man ja so einiges durch und weiß zumindest, worin man nicht ärmer, ungelenkiger oder blasser wirkt, als man sowieso schon ist. Also habe ich mich ganz bewusst dazu entschlossen, Kleidern, High-Waist-Röcken und Wedges den Vorrang zu geben und meinen Schrank nur noch mit Dingen zu bestücken, die bereits als besonders kleidsam “johannerkannt” wurden. Doch der Sommer kam, mit ihm die 5. Jodhpurhose. Und damit war dann auch dieser Vorsatz dahin.
Und wenn auch der einzige Vorsatz, den ich scheinbar verinnerlicht habe, lautet, Vorsätze nie einzuhalten, so komme ich doch nicht darum herum, für 2014 ein neues Highlight an Unerreichbarkeit hinzuzufügen. Also werde ich auch diesmal einen Vorsatz aussuchen. Ich weiß auch schon, wie mein neuer Vorsatz lauten wird:
Nie wieder Mischwörter aus Adjektiv und meinem eigenen Namen.
Denn das klingt einfach lächerlich.

 


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