Von Pflanzen, die den Umrührer abgeben

 

2014 geht – 2015 kommt. Und wieder einmal habe ich meinen größten Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Ziemlich ernüchternd so etwas, so dass ich wirklich ins Grübeln komme. Sollte ich das mit den Vorsätzen einfach lassen? Denn egal wie viele tolle Sachen passieren, so bleibt doch immer dieser eine, große Vorsatz in Leuchtschrift und mit Blink-Effekt, der dafür sorgt, dass Du dieses Jahr wieder einmal nicht ausreichend genutzt hast. Vergessen sind die Erfolge, die schönen Momente und die wunderbaren Ereignisse. Oder wähle ich meine Vorsätze etwa nicht passend genug aus? Sollte ich mich hierbei vielleicht von Freunden etwas lenken lassen?

Einen Vorsatz hätte ich dann schon mal, ganz frisch von Matthias erhalten. Er liest meine Kolumne (ja, unter Einfluss von unzähligen Espresso-Martini und Bier, hat er es mir gestanden). Und seiner Meinung nach, könnten die Themen in meiner Kolumne doch etwas männerlastiger werden. Verstehe. Trotz Gelalle und starkem Schwips. „Alles in allem viel zu viel Weiberkram“, das ist seine Meinung. Nun, das könnte daran liegen, dass ich Männerthemen ziemlich langweilig finde.
Pardon, für mich ist ein Auto dann ganz wunderbar, wenn es fährt und eine Heizung besitzt und ich meinen rosa Reisekoffer unterbringen kann. Für mich macht es keinen Unterschied, ob Männer einem runden, einem ovalen oder meinetwegen auch einem eckigen Ball hinterherrennen. Ich renne niemandem hinterher und bin damit auch immer ganz gut gefahren. Und ja, ich liebe meine Nike Air Max, aber auch nur, weil „Johanna“ vorne drauf steht. Und so würde ich Sie auch ohne Nike-Zeichen lieben. Zudem finde ich, dass Bier ungefähr so gut schmeckt wie Spühlmittel mit Kohlensäure und erst 2014 habe ich wirklich selbstständig einen Nagel in die Wand gehauen.
Das alles hat seinen Ursprung vielleicht darin, dass ich kein Mann, sondern eine Frau bin. Und damit ist Mädchenkram nun mal für mich essenziell. So komme ich zu dem Urteil, dass der Vorsatz einer männerlastigen Kolumne auch nicht das richtige für mich gewesen wäre.
Vielleicht sollte man einfach ganz aufhören, mit diesen Vorsätzen? Was für zahlreiche Dinge standen bitte Jahr für Jahr auf meinen Listen?
Weniger Online shoppen. Gut gemeint, schlecht gemacht. Besonders, wenn man die vielen Amazon- und Asos-Pakete sieht, die sich immer wieder in der Wohnung stapeln. Aber wenn ich diesen Pailletten-Blazer, den schwarzen Jumpsuit und die 4. Fellweste doch nun einfach mal brauchte!?
Oder der Vorsatz Regelmäßig Blumen gießen. Sinnvoller Vorsatz, denn ich neige dazu, meine Pflanzen effektiv umzubringen. Vielleicht hätte ich jedoch „regelmäßig“ genauer definieren sollen. Für mich waren die paar Tage, an denen ich die rosa Gieskanne tatsächlich genutzt habe, regelmäßig genug. Meine Pflanzen – mit Ihren braunen Blättern und verwelkten Blüten – sehen das offensichtlich anders.
Oder mein wichtiger Vorsatz Erst gut nachdenken, bevor gehandelt wirdAls ich mir die Kinderversion von Pippi Langstrumpf (statt der umfangreichen Version) auf Schwedisch gekauft hatte – im Hinblick darauf, dass mein Schwedisch noch wirklich ausbaufähig ist – dachte ich, dass ich diesen Vorsatz verinnerlicht hatte. Dann erblicke ich jedoch den 1-Meter-großen Kuscheltier-Hai, den ich als Weihnachtsgeschenk für meine Nichte fand. Er war so flauschig und so süß und so riesig. Kein Grund um zu verzweifeln, denkt Ihr? Immerhin bin ICH es, die dieses Ungetüm nun am 23. wie eine Idiotin auf der Zugfahrt in die Heimat mitschleppen darf. Und nicht ihr!
Und der letzte Vorsatz Löffel niemals mehr Umrührer nennen. Sorry, bei diesem Vorsatz muss ich betrunken gewesen sein, denn Umrührer klingt einfach viel charmanter als Löffel.

Ja, es ist ein bitteres Gefühl, wenn das Jahr zu Ende geht und man bemerkt, dass die Vorsätze nicht eingehalten wurden (außer der letzte Vorsatz natürlich). Andererseits….
…ja, andererseits, kann man die letzten Tage nochmal auskosten und voller inbrunst gegen die Vorsätze verstoßen, die man ja sowieso nicht eingehalten hat.
Und so klicke ich auf „Jetzt kaufen“, erlöse all die wunderhübschen Artikel aus meinem Asos-Warenkorb und schaffe etwas Platz in meinem Schrank. Dann vollbringe ich meine gute Tat für dieses Jahr (immerhin ein Vorsatz, der damit erfüllt wurde), schmeiße meine schwächelnden Pflanzen weg und gestatte meinen Mitbewohnern, den Platz in der Wohnung zu nutzen, den ich vorher für meinen Pflanzenfriedhof gebraucht hatte.
Und zu guter letzt freue ich mich auf die Zugfahrt in die Heimat.
Denn dann werde ich im Zug sitzen, mit meinem Reisebecher voll von heißer Schokolade, dem passenden Umrüher und dem Riesenhai, den ich gleichzeitig als Kissen und als Decke nutzen kann.
Ha!
UND IHR NICHT!

 

Und um Matthias noch seinen Wunsch zu erfüllen:
BIER – PLAYBOY – FUßBALL – SNEAKERS – PLAYSTATION

Das muss für 2014 als männerlastiges Material in meiner Kolumne langen.


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/31878512@N06/5414164772

 

2 Gedanken zu “Von Pflanzen, die den Umrührer abgeben

  1. Ralf Hauser schreibt:

    Ich freue mich über deinen Artikel und hatte schon Angst du hättest deinen Kurzgeschichten Blog wieder platt gemacht. Auf anderen Coaching Blogs kann man immer wieder den Tipp lesen, ein Glückstagebuch zu führen, oder Erfolgstagebuch. Jeden Tag soll man reinschreiben was gut gelaufen ist. Auch Kleinigkeiten wenn nix großes passiert ist. So konditioniert man sich auf die schönen Dinge an denen man wächst. Die Medien erziehen ja doch dazu, negativ zu denken. So ein Tagebuch hilft dir dann am Jahresende zurückzublicken. Am Ende wurden die Vorsätze doch hin und wieder gelebt. Die Pflanzen bei mir im Büro gieße ich mindestens einmal die Woche am Freitag. Das steckt mir schon in den Knochen. Und wenn mir nix mehr einfällt dünge ich mit Düngestäbchen aus dem Supermarkt. Männerthemen können auch Alkohol, Kaffee, Musik, Multimedia sein. Das passt auch zu Stöckelschuhen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *